Sisyphos war dazu verdammt, auf ewig einen Felsbrocken einen Berg hinaufzuwälzen, der, fast oben angekommen, wieder ins Tal zurückrollte. Ein Sinnbild für eine mühevolle, sich wiederholende Tätigkeit, die ertraglos wirkt und kein Ende zu nehmen scheint. Doch hätte er den Weg als Spielfeld gesehen und kreative Wege beim Erklimmen des Berges gesucht: Wäre ihm die scheinbar sinnlose Arbeit nicht als lustvolles Spiel erschienen?
Wie Sisyphos stehen wir tagtäglich vor neuen Aufgaben, Hürden, die wir zu überwinden, Schwierigkeiten, die wir zu bewältigen haben. Neue und wiederkehrende Hindernisse begleiten uns ein Leben lang. Ihre Überwindung kostet Mühe. Sie kann lästig sein oder gar sinnleer erscheinen, wenngleich sie notwendig sein mag. Ungern schenken wir ihr unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, sondern wollen sie lieber rasch hinter uns bringen. So wie eine Treppe, die auf unserem Weg zur Arbeit liegt.
Projekt Sisyphos ändert das. Die farbig gestaltete Treppe lädt dazu ein, das Hindernis als Spielfeld zu sehen. Es ist das Angebot, den eigenen Weg hinauf oder hinab immer wieder „neu“ zu entdecken: Ein Möglichkeitsraum, in dem es weder um Sieg oder Niederlage noch um einen bestimmten Zweck geht, sondern um die Aufforderung, zu spielen. Projekt Sisyphos erinnert uns an die einzigartige menschliche Fähigkeit, zweckfrei zu spielen und unsere Umwelt dadurch wertfrei erfahren und gestalten zu können. Eine Fähigkeit, die in einer leistungsorientierten Gesellschaft immer mehr abhandenkommt.
Eine Arbeit von Johannes Voges
In Zusammenarbeit mit:
Anne Voges (Grafik & Illustration)
Caspar Mücke (Webdesign)
Und der Kunstwerkstatt Turmstraße der Stadt Monheim am Rhein
Dank:
Das Projekt wird im Rahmen der 'Stadtbesetzung' gefördert durch das Kultursekretariat Gütersloh.